«Ein einheitliches Ganzes»

Baugeschichte des Gemeindehaus Oekolampad

Mit seiner Klinker-Fassade ist das Oekolampad seit vielen Jahrzehnten ein charakteristisches Zentrum fürs Iselin-Quartier. 1931 wurde das Gemeindehaus eingeweiht, das seit seiner Eröffnung sowohl für kirchliche Zwecke aber auch von Vereinen genutzt wurde. Trotz der baulichen Anpassungen, die vorgenommen wurden, um den unterschiedlichen Ansprüchen verschiedenster Nutzer gerecht zu werden, bleibt ein Grossteil der originalen Bausubstanz des seit 1996 denkmalgeschützten Baus erhalten und in seinem ursprünglichen Charakter erfahrbar.

Maren Stotz

In der Ausschreibung für «ein kirchliches Gemeindehaus mit einem Turm» am Allschwilerplatz formulierte die Evangelisch-reformierte Kirche von Basel-Stadt 1928 die Projektidee für ein Haus, das mit vielen Räumen unterschiedlichster Grösse neben einer sakralen auch besonders eine soziale und gemeinschaftliche Nutzung ermöglicht. Neben einem grossen Saal mit Konzertbestuhlung, Podium und Orgel waren auch ein kleinerer Saal, Sitzungszimmer mit Archivschränken, Arbeitszimmer für Nähvereine und Handarbeitsklassen, Räume für die Sonntagsschule, Lesezimmer für die Ausleihbibliothek, eine Abwarts- und eine Pfarrwohnung mit Garten sowie viele funktionale Räume für Garderobe, Kochen und Haustechnik eingeplant.

Trotz Grösse zurückhaltend

Zur Ausführung kam das Projekt der Architekten Emil Berger und Eugen Tamm, weil es «die zweckmässigste Lösung des Grundrisses finde» und damit «ein einheitliches Ganzes» bilde. Die Anlage des Kirchgemeindehauses ist Dreiteilig: ein Hauptbau mit Turm umfasst den Südtrakt am Allschwilerplatz mit den beiden Flügeln im Osten und Westen. Besonders überzeugte die einheitlich an den Rand gezogene Aussengrundlinie, wodurch sich die kubistische Wirkung des Baus entfaltet. Gleichzeitig öffnet sich die Anlage im Inneren und bietet Platz für einen grosszügigen Hof. Dieser umfasste je einen kleineren und einen grösseren Garten für die ursprünglichen Abwarts- und Pfarrwohnungen.

Die umfassende Anlage bleibt trotz ihrer Grösse seit jeher zurückhaltend in der Wirkung. In seiner Positionierung und Erscheinung entfaltet der im Hauptbau integrierte schmale Turm eine Prominenz. Er springt aus der Flucht der Hauptfassade hervor und ist von allen Strassen weither sichtbar und zeigt, dass es sich trotz Ausgestaltung als Gemeindehaus um eine sakrale Anlage handelt.

Seit Beginn gut ausgelastet

Am 25. Oktober 1931 wurde das Kirchgemeindehaus eingeweiht. Die Räumlichkeiten des Oekolampads waren seit Beginn durch eine wachsende Gemeinde sehr gut ausgelastet. Bereits 1941 erfolgte eine Erweiterung des Eingangsportals, damit die Kirche besser entleert werden kann. Auch das Postlokal im östlichen Teil des Haupttraktes musste 1945 vergrössert werden. Schon 1934 war als Erweiterung der Anlage das private Einfamilienhaus an der heutigen Adresse der Oekolampadstrasse 10 dazugekommen. Als letzte bauliche Ergänzung des Gesamtkomplexes wurde 1961 in der Verlängerung des Ostflügels an der Schönenbuchstrasse 11 ein neues Pfarrhaus gebaut.

Ursprünglicher Charakter spürbar

Seit dem Eintrag ins Denkmalverzeichnis 1996 steht das Kirchgemeindehaus Oekolampad in seiner Architektur der Klassischen Moderne unter Schutz. An der Hauptfassade gegen Süden stehen heute grossgewachsene Bäume, hinter denen ein Grossteil der langen, nüchternen Fassade mit den regelmässigen Fensteröffnungen verschwindet. Markant zeigt sich unverdeckt die imposante Pfeilervorhalle im Osten mit dem Haupteingang. Die Klinker aus Schlesien umspannen die Anlage mit einem Farbenspiel aus weinrot, dunkelviolett, orange und bräunlich und entfalten eine kräftige ornamentale Materialwirkung. Als Schmuckelemente gezielt eingesetzt sind ausserdem die Metalllettern über dem Hauptportal (und ursprünglich über dem Eingang der Postfiliale) sowie Metalllamellen am Glockenturm.

Die zweiflügelige Eingangstüre führt in einen Windfang, von wo aus das Foyer erreicht wird. Die markanten Solnhoferplatten verbinden das Foyer mit dem Treppenhaus, welches vom Erdgeschoss in Unter- und Oberschoss führt. Das Treppengeländer, die Garderobenständer, Türbeschläge, Wandleuchten und auch die Opferstöcke setzen aus Gusseisen resp. Metall Akzente, die den ursprünglichen Charakter immer noch spürbar machen. Der beinahe kubische, grosse Saal für Gottesdienste ist vom Foyer über drei breite Flügeltüren erreichbar und ist bestimmt vom Kontrast der hellen Wände mit den dunkleren Elemente der Decke, Empore, Kanzel und Bühne aus gebeizten Tannenholz.

Vielfältige Nutzung auch in Zukunft

Am 18. Dezember wurde im Oekolampad der letzte Gottesdienst gefeiert. Seither wurde es vor allem als Tageszentrum genutzt. Die funktionalen Grundrisse der Innenräume machen auch heute eine vielfältige Nutzung möglich. Die Wibrandis Stiftung kaufte am 2. November 2020 das Gemeindehaus Oekolampad der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ab und wird die Räumlichkeiten ab Herbst 2023 im Sinne einer Förderung den vier gemeinnützigen Organisationen AMIE Basel, Stiftung Basler Wirrgarten, Vorstadttheater Basel und der Kontaktstelle für Eltern und Kinder 4055 unter dem Leitspruch der Stiftung «Aller Anfang ist Begegnung» zur Verfügung stellen.

Ansicht Südseite
Blick vom Allschwilerplatz auf die Südfassade des Oekolampads. Deutlich treten im Licht-Schatten-Spiel die Formen und Linien der Architektur der Klassischen Moderne hervor. (Datum bekannt?) Foto: Willhelm Ochs-Walde
Das zentrale Foyer ist heute noch mit den ursprünglichen Details des gusseisernen Treppengeländers, den Lampen, Türbeschlägen und den Solnhofer-Platten erhalten. Foto: P. Müller-Arnold
Der grosse, beinahe kubische Saal für Gottesdienste ist bestimmt von Hell-Dunkel-Kontrasten. Der Blick von der Bühne fällt auf die drei Flügeltüren, die Empore und die ursprüngliche Bestuhlung aus Horgen-Glarus-Stühlen. Foto: P.Müller-Arnold
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